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Spiele für das Selbstwertgefühl im Kindergarten | 7 Ideen

Spiele für das Selbstwertgefühl, Kinder liegen in einer Reihe

Kinder, die sich selbst als wertvoll erleben, trauen sich mehr zu, gehen offener auf andere zu und können mit Rückschlägen besser umgehen. Genau deshalb gehören Spiele für das Selbstwertgefühl zu den wichtigsten Bausteinen im Kita-Alltag. Sie helfen Kindern dabei, ihren eigenen Wert zu spüren, ihre Stärken zu entdecken und einen sicheren Platz in der Gruppe zu finden.

Die folgenden sieben Spiele sind praxiserprobt, kommen mit wenig Material aus und lassen sich im Morgenkreis, bei Bewegungsangeboten oder im Freispiel einsetzen. Jedes Spiel stärkt auf seine Weise das Selbstwertgefühl – mal durch Vertrauen, mal durch Gemeinschaft, mal durch Mut.

Warum Spiele das Selbstwertgefühl von Kindern stärken

Bevor wir in die konkreten Spielideen einsteigen, ein kurzer Blick auf den pädagogischen Hintergrund: Selbstwertgefühl entwickelt sich nicht durch Lob allein. Kinder brauchen echte Erfahrungen, in denen sie Wirksamkeit erleben. Genau das leisten gute Spiele: Ein Kind wird getragen, ein Kind führt an, ein Kind überwindet eine Angst. Diese Momente prägen nachhaltiger als jedes „Toll gemacht!“.

Wer seine Stärken und Schwächen kennt – also seines Selbst bewusst ist –, kann entsprechend handeln und auf sein Umfeld wirken. Die folgenden Spiele unterstützen die Kinder dabei, ihren Platz innerhalb der Gruppe zu finden und zu festigen. Gleichzeitig lernen sie, andere Kinder so wahrzunehmen und zu akzeptieren, wie sie sind.

1. Fließband – Vertrauen und Körpernähe erleben

Alter: ab 4 Jahren | Gruppengröße: ab 8 Kinder | Material: keines

Bis auf ein Kind liegen alle Kinder rücklings, dicht an dicht in einer langen Reihe auf dem Boden. Die Arme liegen neben dem Körper – die Kinder bilden zusammen ein Fließband. Das übrig gebliebene Kind legt sich vorsichtig bäuchlings oder rücklings auf das Fließband. Auf ein Kommando hin drehen sich alle Kinder in eine zuvor vereinbarte Richtung: Das Fließband beginnt zu laufen.

Am Ende angekommen, wird das einzelne Kind selbst zum Fließband und das nächste Kind darf sich transportieren lassen.

Warum dieses Spiel das Selbstwertgefühl stärkt:  Das Kind auf dem Fließband erfährt, dass die Gruppe es trägt – im wörtlichen Sinne. Es darf sich fallen lassen und erlebt: „Ich werde gehalten.“ Das ist eine kraftvolle Erfahrung für das Selbstwertgefühl.

2. Dirigent und Dirigentin – Führen und Folgen üben

Alter: ab 3 Jahren | Gruppengröße: ab 6 Kinder | Material: keines

Die Kinder sitzen im Kreis. Ein Kind steht in der Mitte und macht eine Bewegung oder Tätigkeit vor, die alle anderen nachmachen. Das Kind in der Mitte darf drei Aktionen „dirigieren“, danach wird gewechselt.

Abwandlung: Wer ist der Dirigent?

Ein Kind verlässt kurz den Raum oder schließt die Augen. Aus dem Kreis wird heimlich ein Dirigent oder eine Dirigentin bestimmt, die Aktionen vormacht. Alle anderen ahmen nach. Das ratende Kind muss nun genau hinschauen und erraten, wer die Gruppe „dirigiert“.

Warum dieses Spiel das Selbstwertgefühl stärkt: In der Mitte zu stehen und alle machen nach, was man vorgibt – das ist ein unmittelbares Erlebnis von Wirksamkeit. Das Kind erfährt: „Was ich mache, hat Bedeutung.“

3. Luftballontreten – Mut und Überwindung zeigen

Alter: ab 4 Jahren | Gruppengröße: ab 4 Kinder | Material: Luftballons, Schnüre (ca. 1 m)

Luftballons werden leicht aufgepustet und an Schnüre gebunden. Die Kinder bilden Paare. Pro Paar bekommt nur ein Kind einen Ballon an den Fuß gebunden (nicht zu kurz). Auf ein Startzeichen hin versucht das Partnerkind, den Ballon zu zertreten.

Warum dieses Spiel das Selbstwertgefühl stärkt: Knallende Ballons kosten Überwindung. Diese kleine Mutprobe zu meistern, gibt Kindern das Gefühl: „Ich kann etwas, wovor ich mich erst gefürchtet habe.“ Solche Erfolgsmomente sind Gold wert für das Selbstbewusstsein.

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4. Der Vorhang geht auf – Jedes Kind findet seine Rolle

Alter: ab 4 Jahren | Gruppengröße: ab 6 Kinder | Material: keines

Dies ist ein kleines improvisiertes Theaterstück – ganz ohne Requisiten. Die Kinder selbst stellen alle Dinge und Gegenstände dar. Das Geschehen baut sich Satz für Satz auf und wird mit jedem neuen Element noch einmal von vorne erzählt und dargestellt.

Vorhang
© Sebastian Kaulitzki Fotolia

So könnte es beginnen:
Die Erzählerin oder der Erzähler sagt:

„Der Vorhang geht auf.“ → Die Kinder überlegen gemeinsam, wie sie den Vorhang darstellen. Zwei Kinder werden ausgewählt und spielen die Szene.

„Die Sonne scheint.“ → Wieder überlegen die Kinder eine Darstellung. Ein Kind wird ausgewählt. Dann beginnt das Spiel von vorn: Vorhang auf → Sonne scheint.

„Die Sonne scheint auf einen Sandkasten.“ → Erneut wird gemeinsam überlegt, wer den Sandkasten spielt.

So könnte es weitergehen:

Zwei Kinder bauen eine Sandburg. Ein Vogel kommt herbeigeflogen. Der Vogel muss mal und ein weißer Klecks landet auf der Sandburg. „Igitt!“, rufen beide Kinder und laufen davon. Der Vorhang geht zu.

Auf diese Weise lassen sich alle möglichen alltäglichen – am besten lustige – Szenen nachspielen.

Warum dieses Spiel das Selbstwertgefühl stärkt: Es gibt für jedes Kind die passende Rolle: Wer lieber der Sandkasten ist als der Vogel, darf das sein. Niemand muss sich verbiegen. Das stärkt das Selbstwertgefühl einzelner Kinder und festigt das Gruppengefüge. Szenen mit erhobenem Zeigefinger gehören allerdings nicht dazu.

5. Fegender Teppich – Gemeinsam etwas bewegen

Alter: ab 4 Jahren | Gruppengröße: ab 6 Kinder | Material: Decken oder Bettlaken

Jeweils drei Kinder bilden eine Einheit. Ein Kind legt sich auf eine Decke. Die anderen beiden fassen die Zipfel am Kopfende und ziehen das liegende Kind durch den Raum. Dabei müssen sich die Kinder über Richtung und Geschwindigkeit einig werden. Auf ein Signal hin werden die Rollen getauscht.

Warum dieses Spiel das Selbstwertgefühl stärkt: Das gezogene Kind ist wichtig – es wird bedient, umsorgt, bewegt. Die ziehenden Kinder erleben, dass sie gemeinsam stark genug sind, jemanden zu tragen. Beides stärkt den Selbstwert.

6. Hängematte – Getragen werden und Geborgenheit spüren

Alter: ab 4 Jahren | Gruppengröße: 5 Kinder pro Einheit | Material: Decke, Turnmatte

Fünf etwa gleich große Kinder bilden eine Einheit. Die Decke wird auf die Turnmatte gelegt, ein Kind legt sich darauf. Die anderen vier greifen je eine Ecke der Decke, ziehen sie hoch und schaukeln das liegende Kind sanft hin und her. Da dieses Spiel kräftezehrend ist, gibt die Spielleitung rechtzeitig ein Signal zum sanften Absetzen.
Danach wird getauscht, bis jedes Kind einmal geschaukelt wurde.

Warum dieses Spiel das Selbstwertgefühl stärkt: Geschaukelt zu werden ist ein Geschenk der Gruppe an ein einzelnes Kind. Es sagt: „Du bist es uns wert, dass wir uns für dich anstrengen.“ Ein unbezahlbares Gefühl für das Selbstwertgefühl.

7. Urwald – Vertrauen in die Gruppe aufbauen

Alter: ab 4 Jahren | Gruppengröße: ab 8 Kinder | Material: optional Augenbinde

Bis auf ein Kind sitzen oder stehen alle Kinder im Raum verteilt – sie sind die Urwaldbäume. Das verbleibende Kind hat sich im Urwald „verirrt“ und bewegt sich mit geschlossenen oder verbundenen Augen durch den Raum. Doch die Vögel in den Bäumen helfen: Nähert sich das Kind einem Baum, piept der Vogel leise. Nähert es sich einer Wand oder einem Hindernis, piepen alle Bäume.
Gewechselt wird, wenn ein Kind gegen einen Baum läuft oder nach einer angemessenen Weile.

Warum dieses Spiel das Selbstwertgefühl stärkt: Das „verirrte“ Kind lernt, dass es sich auf andere verlassen kann. Die Bäume erfahren, dass ihre Aufmerksamkeit gebraucht wird. Jede Rolle vermittelt: „Ich bin wichtig für diese Gruppe.“

Tipps für die Umsetzung im Kita-Alltag

Damit Spiele für das Selbstwertgefühl ihre volle Wirkung entfalten, helfen ein paar einfache Grundsätze:

Freiwilligkeit geht vor: Kein Kind sollte gezwungen werden, eine bestimmte Rolle zu übernehmen. Wer lieber zuschaut, darf das. Auch Zuschauen ist Teilhabe.

Wiederholung schafft Sicherheit: Spiele für das Selbstwertgefühl wirken am besten, wenn Kinder sie mehrfach erleben. Ab dem zweiten oder dritten Mal trauen sich oft auch zurückhaltende Kinder aktiv mitzumachen.

Reflexion einbauen: Nach dem Spiel kurz fragen: „Wie hat es sich angefühlt, getragen zu werden?“ oder „Was war heute mutig?“ – so wird das Erlebte bewusst verankert.

Keine Gewinner und Verlierer: Alle vorgestellten Spiele funktionieren ohne Wettbewerb. Das ist kein Zufall, denn es geht um gemeinsames Erleben, nicht um Leistung.

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Häufige Fragen zu Spielen für das Selbstwertgefühl

Die meisten der hier vorgestellten Spiele eignen sich ab etwa 4 Jahren. Einfachere Varianten wie „Dirigent und Dirigentin“ funktionieren auch schon mit 3-Jährigen. Entscheidend ist weniger das Alter als die Frage, ob die Kinder die Spielregeln verstehen und sich in der Gruppe sicher fühlen.

Idealerweise regelmäßig, also ein- bis zweimal pro Woche. Wiederholung ist wichtig, damit Kinder Sicherheit gewinnen und sich trauen, neue Rollen auszuprobieren. Spiele für das Selbstwertgefühl wirken langfristig am besten, wenn sie zum festen Bestandteil des Alltags werden.

Freiwilligkeit ist oberstes Prinzip. Ein Kind, das zum Mitmachen gezwungen wird, erfährt das Gegenteil von Selbstwirksamkeit. Biete dem Kind eine Beobachterrolle an oder frage, ob es eine andere Aufgabe übernehmen möchte – etwa das Startzeichen geben oder die Decke halten.

„Der Vorhang geht auf“ und „Urwald“ sind besonders gut geeignet, weil es dort keine exponierte Einzelrolle gibt. Schüchterne Kinder können zunächst Teil des Ganzen sein (z. B. ein Baum im Urwald) und sich Schritt für Schritt an aktivere Rollen herantasten.

Ja, unbedingt. Spiele für das Selbstwertgefühl sind immer auch Spiele für die Gemeinschaft. Wenn Kinder einander tragen, schaukeln oder aufeinander achten, entsteht Zusammenhalt. Selbstwertgefühl und Gruppengefüge stärken sich gegenseitig.

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